Bildung-Seelsorge-Diakonie

Neu in der Stadt?
 

Wer an einen neuen Ort zieht, kennt das Gefühl: Alles ist fremd. Die Straßen, die Menschen, die Gewohnheiten. Man fragt sich, wo man Kontakte knüpfen und vielleicht sogar ein Stück Heimat finden kann.

Als ich vor einem Jahr nach Mitteldeutschland kam, fiel mir ein Witz aus meiner Jugend wieder ein: „Was kann man gegen Mäuse in der Kirche tun? Man konfirmiert sie – dann sind sie weg und kommen nie wieder.“ Damals musste ich darüber schmunzeln.

Meine eigene Konfirmation feierte ich 1997 in der evangelischen Dorfkirche Bergsdorf bei Zehdenick, damals in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Und wenn ich ehrlich bin: Ein bisschen traf dieser Witz auch auf mich zu. Nach der Konfirmation wurde ich seltener im Gottesdienst gesehen.

Doch eines hat mich nie verlassen: mein Glaube und die Worte meiner Pastorin. Ihr habe ich unendlich viel zu verdanken. Mit großer Geduld und viel Liebe brachte sie mir das Gitarrenspiel bei. Noch heute denke ich an sie zurück, wenn ich meine Gitarre in die Hand nehme. Dann werden ihre Worte wieder lebendig, und ich bin dankbar für alles, was sie mir mit auf den Weg gegeben hat.

Aus dem Glauben meiner Jugend wuchs der Wunsch, ihn besser zu verstehen. Deshalb studierte ich Theologie. Dabei wurde mir immer deutlicher, dass Glaube weit mehr ist als Wissen. Er lebt von der Begegnung mit Gott und mit den Menschen, die er uns an die Seite stellt.

Während eines Gemeindepraktikums in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck durfte ich Pfarrer Ingo kennenlernen. Seine Begleitung und die Erfahrungen in der Gemeinde haben meinen Blick auf Kirche und Seelsorge nachhaltig geprägt.

Seit 2022 vertiefe ich meine lutherischen Studien unter der Begleitung von Pfarrer Dr. Winfried S. Küttner von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Auch durch ihn durfte ich erfahren, wie bereichernd theologisches Lernen und geistliche Begleitung sein können.

Als ich vor einem Jahr nach Mitteldeutschland zog, führte mich mein Weg zu einem Gottesdienst in Jüdenberg. Dort begegnete ich der Superintendentin Dr. Gabriele Metzner. Ihre herzliche und offene Art erinnerte mich daran, dass Gott uns immer wieder Menschen begegnen lässt, die Mut machen und neue Wege eröffnen.

So habe ich erfahren, dass eine offene Kirchentür weit mehr sein kann als der Eingang zu einem Gotteshaus. Sie kann ein Ort der Begegnung, des Zuhörens und der Gemeinschaft sein. Gerade wenn man neu an einem Ort ist, kann sie zu einem Stück Heimat werden.

Im Psalm 65 heißt es: „Du machst fröhlich, was da lebt im Osten wie im Westen.“ Dieser Vers begleitet mich bis heute. Er erinnert mich daran, dass Gott Menschen verbindet – über Entfernungen, Lebenswege und auch über kirchliche Grenzen hinweg.

Wenn ich heute auf meinen Lebensweg zurückblicke, denke ich mit großer Dankbarkeit an all die Menschen, die Gott mir geschenkt hat – in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und heute in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Sie alle haben auf ihre Weise dazu beigetragen, meinen Glauben zu stärken und zu vertiefen.

Der alte Mäusewitz hat also bei mir nie wirklich gestimmt. Vielleicht war ich eine Zeit lang seltener im Gottesdienst. Doch Gott hat mich nie aus den Augen verloren. Er hat mir Menschen geschenkt, die mich geprägt, begleitet und im Glauben gestärkt haben.

Vielleicht kommen manche „Mäuse“ tatsächlich wieder zurück. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie entdecken, dass Gott sie die ganze Zeit begleitet hat.

Nicht der Name einer Kirche steht für mich im Mittelpunkt, sondern Jesus Christus. Er ist es, der Menschen verbindet, sie trägt und ihnen immer wieder neue Wege eröffnet.

Dafür danke ich Gott.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag.

P. D. Abendroth, M.A.
Lutherisch aus Mitteldeutschland 

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